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In der Nacht vor der Abreise...
Um die totale Sonnenfinsternis am 1.August 2008 zu beobachten, nahmen meine Eltern und ich an einer Gruppenreise nach China teil, die von der Astro Station Conrad organisiert wurde. Angereist sind wir von Wien über Amsterdam nach Chengdu, wo wir leider nicht übernachteten, sondern den (schwülen) Tag mit einem Besuch des Pandabären-Nachwuchszentrums, Park-Spaziergang, Abendessen usw. verbrachten, um dann mit einem Abendflug (dem dritten an diesem langen "Tag") weiter nach Lanzhou zu fliegen. Die Ankunft im Hotel in Lanzhou war für etwa 2 Uhr nachts geplant, was sich leider weiter verzögerte: durch ein Unwetter wurde der Flug auf weit nach Mitternacht verschoben, und wir kamen erst um 7 Uhr ins Bett (nach einem "frühen" Frühstück und ca. 40 Stunden ohne Bett).
Ein roter Panda mit Bambus...
Mondsichelsee
Am nächsten Tag zu mittag besichtigten wir bei sehr schönem Wetter einen Park mit Wasserrädern am Gelben Fluß und die "Weiße Pagode" hoch über der Stadt mit sehr schönem Blick auf den Gelben Fluß. Danach flogen wir von Lanzhou nach Dunhuang (der bereits 4.Flug auf dieser Reise).
In Dunhuang besuchten wir den Mondsichelsee (am Rand einer großen Sandwüste gelegen) und die Mogao-Grotten. Anschließend fuhren wir von Dunhuang nach Jiayuguan: unsere erste große Bus-Etappe von ca. 300 Kilometern, die uns während 5 Stunden Fahrt teilweise durch beeindruckend eintönige Landschaft und kurz vor der Ankunft erstmals in die Totalitätszone führte. Auf der Fahrt regnete es mitunter, 2 Tage vor der Sonnenfinsternis nicht unbedingt beruhigend ;-)
Nach der ersten Übernachtung im Hotel in Jiayuguan (dem einzigen Hotel der Reise, in dem wir mehr als einmal schliefen, nämlich zweimal) besichtigten wir (am Vortag der Finsternis) eine Festung der chinesischen Mauer und danach einen Teil der chinesischen Mauer, an einer Stelle, wo sie sich auf einen Berg hinaufschlängelt. Bei wunderschönem Wetter hatten wir einen super Ausblick auf die Landschaft, wüstenhafte Ebene im Nordosten, die Stadt Jiayuguan in der dunstigen Ferne,... Am Nachmittag besuchten wir ein altes Grab in der Nähe der Stadt, während die Familie Conrad gemeinsam mit einem unserer Reiseleiter eine Erkundungsfahrt zum geplanten Beobachtungsplatz unternahmen (einem Camp von "Eclipse City" in der Nähe der Zentrallinie).
Damit wir im Beobachtungscamp einen guten Platz bekommen würden, verließen wir bereits am frühen Vormittag unser Hotel in Jiayuguan (mit unserem ganzen Gepäck, "Wir kehren nicht mehr zurück!"), und fuhren auf teils holpriger Straße Richtung Zentrallinie. Mittags erreichten wir, nach mehrstündiger Fahrt und Kontrolle durch die chinesische Polizei, das ca. 100 km Luftlinie entfernte Camp der Firma "Eclipse City": einer der beiden von der chinesischen Regierung erlaubten Beobachtungsplätze in dieser Region.
Da sich die Sonnenfinsternis erst am Abend ereignete, hatte ich dort gerade noch genug Zeit, mich auf das Aufstellen und Starten meiner automatischen Kameras vorzubereiten. Mithilfe des sogenannten CHDK (für Canon-Kameras) habe ich im Vorfeld der Sonnenfinsternis für 3 Kameras (Canon Powershot A560, A720 und S5) Skripts zur vollautomatischen Photographie des Ereignisses entwickelt. Da ich bereits einige Tage vor Abreise die (hinreichend) genauen Koordinaten des Beobachtungsplatzes in Erfahrung bringen konnte, wußte ich damit die Kontaktzeiten, sowie Azimut und Höhe von Sonne, Venus und Merkur (zu verschiedenen Zeitpunkten) bereits daheim. Knapp, aber doch noch vor dem 1.Kontakt (der um ca. 18 Uhr 15 chinesischer Zeit bez. 10 Uhr 15 UTC stattfand), gelang es mir, alle 3 vorprogrammierten Kameras (und zusätzlich eine MiniDV-Videokamera) einzurichten.
17 Uhr 53: ich richte die Canon Powershot A720 ein...
Ein Frame der MiniDV-Aufnahme
Die "Aufpasser" des Camps waren generell sehr unfreundlich und uneinfühlsam: kurz vor dem 1.Kontakt, wo man die Beobachtung möglichst nicht mehr stören sollte, begannen sie, die von uns "in der Wüste verteilten" Hocker einzusammeln und zurückzutragen; man dürfe diese nicht von ihrem ursprüglichen Platz entfernen. Dabei rannte einer von Ihnen mein Stativ mit der Canon A720 beinahe um: ich konnte die Katastrophe nur verhindern, indem ich ihn recht unsanft zur Seite riß. Die A720 hatte ich nämlich bereits einige Minuten vorher mittels eines schon zuhause vorbereiteten Gitters (auch unter Verwendung von CHDK) an der noch unverfinsterten Sonne ausgerichtet und gestartet, was zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so gut möglich gewesen wäre.
Darüber hinaus hatten die Betreiber des Camps für ebenfalls im Camp befindliche Wissenschaftler einen Generator laufen, was zu Luftverschmutzung und Lärm (auch auf der Videoaufnahme deutlich zu hören) führte.
Wir warten auf den Kernschatten; es ist noch ca. 100 Sekunden bis zur Totalität, die um ca. 19:12:49 (11:12:49 UTC) beginnt und ca. 1 Minute 50 Sekunden dauern wird...
Der zweite Kontakt, automatisch photographiert von der Canon Powershot S5:
Die innere Korona mit Protuberanz während der Totalität (hier ein Größenvergleich zwischen Sonne und Mond):
Die Canon Powershot A560 (meine "reine Landschaftskamera") hat über Stunden hinweg alle 5 Sekunden ein Photo gemacht (insgesamt weit über 2000, teils mit automatischer Belichtung, teils mit verschiedenen manuellen Belichtungen); das sind drei davon (für eine größere Ansicht bitte auf das linke Bild klicken):
Die äußere Korona mit einem Stern rechts unten :-) (wieder von der S5 photographiert); für Photos der Korona mit vier verschiedenen Belichtungen bitte aufs Bild klicken.
Das folgende Bild zeigt meine Eltern und mich während der Totalität, gemeinsam mit Sonne (und Mond), und Merkur und Venus links oben; so wie viele andere Photos (um einige davon zu sehen, bitte hier klicken), hat dieses Bild die Canon Powershot A720 automatisch photographiert! Alle 3 Kameras sind dank CHDK automatisch gelaufen, wodurch ich um die Totalität herum nichts zu tun hatte (abgesehen vom Abnehmen zweier Filter); während der Totalität habe ich ausschließlich beobachtet.
Dieses Photo zeigt das ganze innere Planetensystem und meine Familie: Sonne, Merkur, Venus, Erde, Mond (zufällig die Sonne bedeckend ;-)), meine Eltern und mich; diese seltene Gelegenheit muß man einfach nützen :-)
Der dritte Kontakt (auch wieder von der S5 photographiert):
Kurz nach dem dritten Kontakt (von der A720 photographiert, mit kurzer Belichtungszeit; viel mehr Bilder sind hier zu finden):
Das folgende Bild zeigt aufaddierte Aufnahmen der S5 mit feststehendem Stativ (die Bewegung von Sonne/Mond kommt also von der Erdrotation); die Korona ca. in der Mitte der Totalität, die partiellen Sicheln im Abstand von je 2 Minuten (für eine größere Ansicht auf das Bild klicken):
In der partiellen Phase nach der Totalität wurde die Sonne manchmal kurz von Wolken bedeckt:
Bilder von der S5 kurz vor Sonnenuntergang...
... eine Minute später...
... und noch eine Minute später...
Leider mußten wir nach dem Sonnenuntergang (der am "Meereshorizont" um ca. 20 Uhr 39 stattfand) sehr schnell aufbrechen, denn nach einem Abendessen um ca. Mitternacht in einer Stadt in der Nähe von Jiayuguan (also ca. 150 km vom Camp entfernt) fuhren wir mit unserem Bus mehrere hundert Kilometer weiter nach Zhangye zu unserem nächsten Hotel; dort hatten wir nur 4 Stunden Schlaf zur Verfügung, der Teil unserer Gruppe, der die Verlängerung nach Tibet gewählt hatte, sogar weniger als 2 Stunden. Daher brach ich mein Photoprogramm (mit der A560 und der A720) um 20 Uhr 47 ab, um die Gruppe nicht noch länger aufzuhalten, obwohl die Landschaftsphotos zumindest bis 21 Uhr durchaus interessant gewesen wären.
Nach der Übernachtung in Zhangye ging es mit dem Bus weiter nach Wuwei, wo wir, nach ein paar Besichtigungen, wieder übernachteten, um dann zurück nach Lanzhou zu fahren (eine sehr beeindruckende Busfahrt über einen fast 3000 Meter hohen Paß und durch sehr ländliches Gebiet). Von dort flogen wir zurück nach Chengdu, wo wir wieder übernachteten, um in der Früh noch ein daoistisches Kloster zu besuchen (habe ich sehr interessant gefunden) und danach über Amsterdam zurück nach Wien zu fliegen. Im Flugzeug von Amsterdam nach Wien (dem siebenten und letzten unserer Reise) habe ich dann zum ersten Mal die zunehmende Mondsichel gesehen.
Ich beobachtete die partielle Mondesfinsternis während eines Pferdesportturniers in Reifnitz in Kärnten (man beachte den bereits ein wenig in den Kernschatten der Erde eingetauchten Mond rechts oben):
Der partiell verfinsterte Mond mit vier verschiedenen Belichtungen:
Schließlich fand auch noch ein Feuerwerk während der Mondesfinsternis statt ;-)
Kurz vor Ende der "Kernschatten-Phase": Mond noch ein bißchen im Kernschatten mit Wolken...
Der Mond hat den Kernschatten vor ca. 1 Minute vollständig verlassen, Halbschattenphase (photographiert mit sehr kurzer Belichtungszeit):
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